Run-Off in Deutschland

Wenn Versicherer abgewickelt werden

Das Stilllegen und Abwickeln von Versicherer ist für den deutschen Markt noch etwas Exotisches. Traditionell werden hierzulande bislang Bestände oder ganze Versicherer stillschweigend übernommen, wenn es Probleme gibt. Allenfalls Rückversicherer oder deren Bestände gingen bislang in den Run-Off, wie es so treffend bei den Angelsachsen heißt. Die Gerling Globale Rück ist im Run-Off, aber auch Bestände der Deutschen Rück in London wurden abgewickelt. Protektor fing seinerzeit die Kunden der Mannheimer Leben auf und führte ihre Verträge weiter; von Run-Off sprach man damals aber lieber nicht. Zukünftig wird sich auch die deutsche Assekuranz daran gewöhnen müssen, dass Erstversicherer aus dem Geschäft aussteigen und deren Bestände von professionellen Aufkäufern weitergeführt oder abgewickelt werden.

In der größten Sparte Leben gibt es aktuell zwei Fälle, bei denen ein Versicherer das Neugeschäft einstellt. Die Bayerische Beamten Leben ist nach Schwierigkeiten bei den Kapitalanlagen im Neugeschäft nur noch über die Neue Bayerische Beamten aktiv. Ungleich größer sind die Dimensionen bei Ergo: Hier wird die Victoria nicht mehr als aktiver Lebensversicherer am Markt auftreten; das Neugeschäft im Ergo-Konzern läuft zukünftig über die Hamburg-Mannheimer, die in Ergo Leben umbenannt wird. Damit verabschiedet sich immerhin der zwölftgrößte Lebensversicherer vom Markt. Aber die Kunden verabschieden sich nicht, sondern ihre Verträge sollen bei der alten Victoria Leben fortgeführt werden. Was haben die Bestandskunden künftig zu erwarten?

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