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Cyberversicherung neu gedacht: Warum Cyberresilienz zum entscheidenden Risikofaktor wird

1. August 2026

Wer eine Cyberversicherung abschließen will, muss heute mehr vorweisen als eine ausgefüllte Risikoabfrage. Versicherer schauen stärker darauf, wie gut Organisationen Angriffe erkennen, abwehren und bewältigen können. Warum Cyberresilienz dabei eine immer wichtigere Rolle spielt, erklärt im Interview Dr. Sebastian Schmerl, VP Security Services EMEA bei Arctic Wolf.

Cyberversicherung galt lange als finanzielle Absicherung für den Ernstfall. Welche Rolle spielt sie heute im Gesamtkonzept der Cyberresilienz einer Organisation?

Dr. Sebastian Schmerl: Cyberversicherungen bleiben ein wichtiger Baustein zur Absicherung finanzieller Risiken. Gleichzeitig reicht reiner Risikotransfer angesichts der aktuellen Bedrohungslage nicht mehr aus. Unternehmen müssen Cyberversicherung als Teil eines umfassenden Cyberrisikomanagements betrachten. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Prävention, Erkennung, Reaktion und finanzieller Absicherung. Cyberresilienz und Cyberversicherung gehören deshalb heute eng zusammen.

Versicherer stellen deutlich höhere Anforderungen an die IT-Sicherheit ihrer Kunden als noch vor wenigen Jahren. Welche Faktoren beeinflussen aus Ihrer Sicht die Versicherbarkeit besonders stark?

Schmerl: Versicherer wollen nachvollziehen können, wie gut eine Organisation auf Cyberangriffe vorbereitet ist. Maßnahmen wie kontinuierliches Patch-Management, Multi-Faktor-Authentifizierung, belastbare Backup-Konzepte oder Incident-Response-Pläne sind inzwischen vielerorts Standard. Darüber hinaus gewinnt die Fähigkeit an Bedeutung, Angriffe frühzeitig zu erkennen und schnell darauf zu reagieren. Wer Sicherheitsrisiken kontinuierlich überwacht und aktiv steuert, schafft die Grundlage für eine nachhaltige Versicherbarkeit. Gleichzeitig geht es nicht nur um die Erfüllung einzelner Mindestanforderungen. Entscheidend ist heute vor allem, wie wirksam Sicherheitsmaßnahmen zusammenspielen und wie schnell Organisationen im Ernstfall reagieren können.

Viele Organisationen investieren in einzelne Sicherheitslösungen. Welche Maßnahmen tragen tatsächlich dazu bei, die Auswirkungen eines Cyberangriffs zu begrenzen und die langfristige Versicherbarkeit zu verbessern?

Schmerl: Einzelne Sicherheitslösungen bleiben wichtig, reichen aber oft nicht aus. Angreifer nutzen selten nur eine einzelne Schwachstelle. Häufig kombinieren sie technische Sicherheitslücken, gestohlene Zugangsdaten und menschliche Fehler, um in Unternehmensnetzwerke einzudringen. Deshalb sind ganzheitliche Sicherheitsstrategien gefragt. Kontinuierliche Überwachung, Schwachstellenmanagement, Security Awareness sowie etablierte Abläufe für den Ernstfall spielen dabei eine zentrale Rolle.

Aus Sicht von Arctic Wolf zeigt sich dabei immer deutlicher: Für Versicherer zählt nicht allein die Anzahl eingesetzter Sicherheitslösungen, sondern deren tatsächliche Wirksamkeit. Besonders relevant sind kontinuierliche Security Operations, eine 24/7-Überwachung sowie etablierte Prozesse für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen. Sie helfen dabei, Angriffe schneller einzudämmen und potenzielle Schäden zu begrenzen.

Cyberversicherer und Cybersecurity-Anbieter arbeiten heute enger zusammen als noch vor einigen Jahren. Welche Vorteile ergeben sich daraus für Versicherer und Versicherungsnehmer?

Schmerl: Versicherer und Cybersecurity-Anbieter verfolgen letztlich dasselbe Ziel: Cybervorfälle zu verhindern oder ihre Auswirkungen zu begrenzen. Versicherer erhalten ein präziseres Bild der tatsächlichen Bedrohungslage ihrer Kunden. Versicherungsnehmer wiederum bekommen Unterstützung dabei, Sicherheitslücken zu identifizieren und ihre Widerstandsfähigkeit gezielt auszubauen. Davon profitieren alle Beteiligten: Versicherungsnehmer reduzieren ihre Angriffsfläche, während Versicherer ihre Einschätzungen auf eine belastbarere Datengrundlage stützen können. Cyberversicherung entwickelt sich damit vom reinen Finanzprodukt zu einem festen Bestandteil moderner Risikostrategien.

Wenn Sie auf die kommenden Jahre blicken: Wie wird sich das Zusammenspiel von Cyberversicherung, Risikobewertung und Cybersecurity weiterentwickeln?

Schmerl: Wir werden eine deutlich engere Verzahnung dieser Bereiche sehen. Versicherer werden sich künftig nicht mehr nur auf Fragebögen und punktuelle Audits verlassen, sondern stärker auf kontinuierliche Risikodaten und nachweisbare Sicherheitskennzahlen schauen. Gleichzeitig entstehen neue Modelle, bei denen Prävention, Incident Response und Versicherungsschutz enger miteinander verzahnt werden.

Für Unternehmen bedeutet das: Cybersecurity wird zunehmend zu einer geschäftskritischen Disziplin, die weit über die IT hinausreicht. Wer Sicherheitsrisiken kontinuierlich überwacht, Vorfälle schnell eindämmen kann und belastbare Prozesse etabliert hat, wird künftig nicht nur besser geschützt sein, sondern auch bessere Voraussetzungen für den Zugang zu Cyberversicherungen schaffen. Der Fokus verschiebt sich damit von der reinen Schadenregulierung hin zur aktiven Risikosteuerung.

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