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Das Ende ist nah

1. April 2021

Dr. Marc Surminski |

Das Ende von Riester naht: Mit der nun angekündigten Absenkung des Höchstrechnungszinses auf 0,25% zum Jahreswechsel ist das Produkt in der bisherigen Form nicht mehr möglich. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht und sich die Große Koalition im Endstadium ihres Wirkens zu einer Riester-Reform durchringt, dann stirbt die große Altersvorsorge-Reform von Kanzler Schröder damit einen schmählichen, stillen Tod. Zuletzt ungeliebt von allen Beteiligten, insbesondere der Riester-Partei SPD, gibt es außer der Versicherungs- und Bankwirtschaft offenbar niemand mehr, der eine Reform wirklich will.

Die Blicke sind überall vorwärts gerichtet auf die Bundestagswahl, bei der die Parteien mit neuen, durchaus revolutionären Vorsorgekonzepten antreten. Keiner will sich mehr mit Detailverbesserungen bei einem Produkt beschäftigen, dessen Image verbrannt ist und das zuletzt immer weniger Neukunden überzeugen konnte. Auch die Reformvorschläge des GDV im Schulterschluss mit anderen Finanzverbänden sind offenbar zu spät gekommen, um die Sache politisch noch einmal voranzubringen.

Mit Riester stirbt die damalige Idee, die Lasten von der gesetzlichen Rente zu einem kleinen Teil in die private Vorsorge und damit den Kapitalmarkt zu verlagern. Die Idee war gut, sie wurde aber unvollkommen umgesetzt. Eine Pflichtlösung, wie ursprünglich von Walter Riester selbst vorgesehen, hätte die Kostenlast erheblich gedrückt, ebenso eine schlankere Struktur bei der Gewährung der staatlichen Förderung. Jetzt ist offen, was an die Stelle von Riester treten könnte. Es wird nach den aktuellen Konzepten der Parteien und den Erfahrungen aus dem Ausland wohl auf ein standardisiertes Produkt zu niedrigen Kosten mit starker Aktienorientierung hinauslaufen – womöglich in Form eines Obligatoriums.

Mit der Absenkung des Höchstrechnungszinses auf die mikroskopische Größe von 0,25% vollzieht sich der endgültige Abschied von den klassischen Garantien. Auch in der bAV haben sie keine Zukunft mehr. Hier gibt es ebenfalls Handlungsbedarf für die Politik, um die bisherigen Regeln (Beitragserhalt) zu ändern, sonst gerät auch die zweite Säule der Vorsorge unter die Räder. Die zaghaften ersten Gehversuche des Sozialpartnermodells, auf das auch etliche Versicherer als Anbieter gesetzt haben, sind da nur ein schwacher Trost.

Für die Lebensversicherer ist es eine gefährliche Umbruchszeit. Falls es schlecht läuft, stehen sie nach der nächsten Bundestagswahl etwa mit der Regierungsbeteiligung einer starken grünen Fraktion draußen vor der Tür, wenn es um die neue, staatlich geförderte oder sogar zur Pflicht gemachte zusätzliche Vorsorge geht. Die Branche sollte versuchen, mit eigenen Produktkonzepten für eine neue, standardisierte Form der Vorsorge in die Offensive zu gehen und der Politik Perspektiven aufzuzeigen, wie die bewährte Form der kollektiven Vorsorge künftig eine sichere, ertragreiche Altersvorsorge ermöglichen kann. Ohne harte Einschnitte etwa bei den Vertriebskosten wird es dabei aber nicht gehen. Es bleibt abzuwarten, ob die Branche mit ihren vollkommen unterschiedlichen Vertriebsansätzen hier tatsächlich zur Einheit finden kann. Für die Zukunft der Lebensversicherung wäre das existentiell wichtig.

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