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Die Folgen der Krise kommen erst später

1. Mai 2020

Dr. Marc Surminski |

Die Folgen der Corona-Krise für die Versicherer werden gewaltig sein. Wie immer macht die Assekuranz in einer großen Wirtschaftskrise zunächst eine gute Figur. Während ringsherum die Umsätze rasch einbrechen und ganze Wirtschaftszweige stillstehen, trifft es die Versicherungswirtschaft mit zeitlicher Verzögerung. Sie spürt die Folgen der Krise erst später mit voller Wucht, wenn Verträge reduziert oder gekündigt werden und das Neugeschäft schrumpft, weil für die Menschen andere Dinge Vorrang haben.

Heute diskutiert man in der Branche darüber, wie stark die Schadenbelastungen sinken werden und inwieweit man die Kunden daran beteiligen soll. Die erfreulicherweise rückläufigen Schäden durch den Stillstand des Landes sind aber nur die Vorboten für das, was kommt. Corona dürfte nach heutigem Erkenntnisstand die größte Rezession der Nachkriegsgeschichte verursachen. Und die wahre Bewährungsprobe der Branche jenseits von Deckungsdiskussionen bei Betriebsschließungsversicherungen kommt erst noch, wenn als Folge dieser Rezession die Prämieneinnahmen vieler Sparten in den Keller gehen. Aktuell agiert die Versicherungswirtschaft mit den guten Jahresabschlüssen 2019 glücklicherweise aus einer Position der Stärke. Es wird sich zeigen, wer langfristig stark genug ist, der Rezession zu trotzen.

Die Krise wird zur Konsolidierung der gesamten deutschen Wirtschaft führen – umso stärker, je länger der Stillstand andauert. Viele Unternehmen werden die Notzeiten trotz der staatlichen Stützungsmaßnahmen nicht überstehen. Außerdem hilft es nur bedingt, wenn wir in Deutschland die Pandemie gut meistern und schnell wieder zur Normalität zurückkehren. Als Exportchampion sind wir darauf angewiesen, dass auch die Wirtschaft in anderen Ländern wieder auf die Beine kommt. Liegt die ganze Weltwirtschaft danieder, gibt es wenig zu exportieren.

Eine Konsolidierung der Gesamtwirtschaft wird dann auch zu einer Konsolidierung der Versicherungswirtschaft führen. Seit Jahren läuft bereits ein schleichender Konzentrationsprozess. Bei wegbrechenden Umsätzen wird er sich erheblich verschärfen. Die Corona-Krise könnte zum Katalysator für die seit Jahren vorhergesagte große Konzentrationswelle in der deutschen Assekuranz werden. Die plötzlich durch die Krise dringend nötige Digitalisierung des Geschäftsbetriebes setzt manchen Versicherern erheblich zu; der zu erwartende Einbruch der Umsätze und die hohen Schäden aus einigen Sparten belasten die Bilanz. Lloyd’s erwartet aus der Pandemie Schadenlasten für die internationale Assekuranz, die deutlich über den Summen aus den bisherigen Rekordschadenereignissen der Terroranschläge von 9/11 und der US-Hurrikane in 2005 liegen. Die einkassierten Gewinnprognosen von großen Versicherern zeigen an, wohin die Reise bei den Schäden geht, auch wenn heute noch nicht klar ist, ob aus dem Bereich Betriebsunterbrechungen tatsächlich durch politischen Druck international so hohe Schäden entstehen werden wie manche befürchten.

Auch im Vertrieb könnte Corona mehr Konsolidierung bedeuten. Die Vermittlerzahlen schrumpfen schon seit Jahren. Die Rezession wird das Neugeschäft sinken lassen und diese Entwicklung beschleunigen. Und im Vertrieb gibt es durch Corona ebenfalls einen Digitalisierungsschub. Das ist eine gute Botschaft für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Wer es aber nicht schafft, seine Kunden in diesen Notzeiten digital zu betreuen und zu beraten, gehört zu den Verlierern der Krise. Der Ausleseprozess unter den Vermittlern wird weiter an Tempo gewinnt.

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