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Die Politik und die Kostenfrage

15. April 2019

Dr. Marc Surminski |

Es gibt viele gute Argumente gegen den Provisionsdeckel. Der geplante Eingriff in die Lebensversicherungsvergütung würde ein bürokratisches Monster schaffen. Allein die Berechnung der laufenden Provisionen inkl. der Vorgaben zur Abzinsung über Jahrzehnte ist so komplex, wie es sich wohl nur deutsche Beamte ausdenken können. Die Deckelung benachteiligt einseitig Makler und Vertriebsorganisationen. Sie benachteiligt auch jüngere Vermittler, die zu Beginn ihrer Tätigkeit eben nicht auf die entsprechenden Qualitätskriterien ihres Geschäftes verweisen können und daher deutlich weniger Geld für die gleiche Leistung bekommen als ihre erfahrenen Kollegen.

Wie komplex die Materie ist, die der Gesetzgeber hier mit scheinbar eindeutigen Vorgaben regulieren will, zeigt das Beispiel der geplanten Laufzeitbegrenzung von 35 Jahren für die Provisionsberechnung bei Altersvorsorgeverträgen. Auf der einen Seite kann man damit die Aufblähung von Provisionen durch extrem lange Laufzeiten verhindern; auf der anderen Seite sind jedoch für jüngere Kunden Laufzeiten von 40 und mehr Jahren durchaus sinnvoll, wenn sie kontinuierlich für ihr Alter vorsorgen wollen.

All diese guten Argumente werden es in der Politik aber schwer haben, weil sie letztlich keine Antwort geben auf den zentralen Vorwurf: dass die Kostenbelastung der Lebensversicherung insgesamt zu hoch ist. Vielen in der Branche ist heute klar, dass die Kosten angesichts der Ertragssituation sinken müssen. Aber eine echte Lösung würde tief in das Geschäftsmodell einschneiden – noch tiefer als der Provisionsdeckel, der in erster Linie bestimmte Vertriebswege wie Makler, Pools, Großvertriebe und Banken träfe.

6,8 Mrd. Euro hat die Branche 2017 an gesamten Abschlusskosten für die Lebensversicherung ausgegeben. Das sind über ein Fünftel der gesamten Neubeiträge für dieses Jahr. (Die Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.) Die Kosten sind gegenüber dem Vorjahr immerhin leicht zurückgegangen. Nach Zahlen der BaFin lagen die Abschlussprovisionen bei 3,95 Mrd. Euro. Es gibt also auch auf Seiten der Versicherer Potenzial, zur Kostensenkung beizutragen. Die Politik hat bisher darauf verzichtet, hier scharf einzugreifen und sich mit der Deckelung der Vermittlerprovisionen begnügt.

Womöglich kommt die Branche auch diesmal ungeschoren davon. Ob der Deckel umgesetzt wird, mit dem man sich dann irgendwie arrangieren könnte, ist nach aktuellem Stand noch ungewiss. Aber das Thema werden die Lebensversicherer damit nicht los. Schon eine Jamaika-Koalition hätte uns womöglich eine Deutschland-Rente beschert – mit drastisch reduzierten Kosten. In Europa laufen die Pläne für ein grenzüberschreitendes Rentenprodukt mit drastisch reduzierten Kosten. Angesichts der Ertragsmisere durch die Niedrigzinsen liebäugeln etliche Politiker mit dem schwedischen Zwangssparmodell – mit drastisch reduzierten Kosten. Auch ein echtes Opting-Out-Regime in der bAV würde die Vertriebskosten drastisch senken.

Auf eine zentrale Herausforderung der Altersvorsorge – die Kosten – muss die Versicherungwirtschaft eine überzeugende Antwort finden, wenn sie langfristig im System der Altersvorsorge relevant bleiben will. Bei den inzwischen politisch versandeten Reformbemühungen um Riester hat sie diese Antwort nicht gegeben. Egal ob der Deckel nun umgesetzt wird oder nicht – um diese Aufgabe kommt sie im Interesse ihrer eigenen Zukunftssicherung aber nicht herum.

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