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Die zwei Gesichter der Lebensversicherung

1. Februar 2020

Dr. Marc Surminski |

Die Lebensversicherung zeigt momentan zwei Gesichter. Im Neugeschäft feierte sie 2019 große Triumphe. Gleichzeitig sank die Überschussbeteiligung auf neue, nie für möglich gehaltene Tiefstände, und Branchenkritiker sprechen von der „Geldvernichtungsmaschine Lebensversicherung“. So extrem die Bewertungen auseinanderliegen mögen – beide spiegeln den Zinsverfall wider und die tiefe Verunsicherung der Kunden.

Bei den kräftig rückläufigen Überschussbeteiligungen stach vor allem die Proxalto hervor. In dieser Run-off-Gesellschaft werden die Bestände der alten Generali Leben verwaltet; sie senkte ihre Überschussbeteiligung zum Jahreswechsel auf 1,25%. Wenn das in der Praxis für die meisten Kunden auch keine Bedeutung hat, weil sie ohnehin wie anderswo im Markt die höheren Garantien aus früheren Tarifgenerationen bekommen: Die Signalwirkung war verheerend. Damit fanden sich in der Öffentlichkeit viele Lebensversicherungskritiker in ihrer Ansicht bestätigt, dass die Branche nicht mehr mit den Niedrigzinsen zurechtkommt und Run-off der Offenbarungseid des bisherigen Geschäftsmodells ist.

Auch einige andere Gesellschaften haben auf Werte unter 2% abgesenkt. Man darf die Symbolkraft dieses Schrittes nicht unterschätzen. Die Rendite einer Lebensversicherung reicht nun nicht mehr aus, um die Inflationsrate auszugleichen. Natürlich werden die klassischen Garantiepolicen seit einigen Jahren kaum mehr verkauft, und neue Produkte mit besseren Gewinnperspektiven sind an ihre Stelle getreten. Im politischen Kampf um die Zukunft der geförderten Altersvorsorge ist eine solche Differenzierung aber nur schwer zu vermitteln. Hier steht bei vielen das Bild eines gescheiterten Geschäftsmodells im Vordergrund.

In scharfem Kontrast steht dazu der große Neugeschäftsboom der Lebensversicherer. Die sinkenden Überschüsse spielen bei den Kunden im echten Leben offenbar keine Rolle. Der Boom speist sich auch aus der Verzweiflung der Deutschen, wohin sie mit ihrem Geld denn nun sollen in Zeiten von Negativzinsen und Investmentblasen. Und aus der Hoffnung, sich irgendwie noch in die solide Zinsmaschine Lebensversicherung einkaufen und von der Stärke des klassischen Deckungsstocks profitieren zu könne auch wenn die Renditen so niedrig sind wie nie. Aber er beruht auch auf dem Vertrauen, das die Lebensversicherer bei den Kunden noch genießen – trotz eines jahrelangen medialen Trommelfeuers gegen Produkte und Anbieter ist es offenbar immer noch stark.

Die Lebensversicherung geht neue Wege mit innovativen, investmentorientierten Produkten. Für viele Kunden ist sie aber gerade bei den Einmalbeiträgen heute so etwas wie der letzte sichere Hafen für ihr Geld. Die Versuchung für die Gesellschaften ist groß, sich in diesen Zeiten noch einmal mit viel Neugeschäft vollzusaugen – vor allem dann, wenn man über die Produktstruktur verhindert, dass das neue Geld dem Bestand zu stark schaden kann. Es wird sich zeigen, was für Geschäft die Lebensversicherer in 2019 eingeworben haben. Die bisherigen Neugeschäftszahlen lassen darauf schließen, dass die Strategien im Vertrieb hier vollkommen unterschiedlich waren. Es bleibt zu hoffen, dass im Boom des Jahres 2019 bei einigen Versicherern nicht die Saat für die nächsten Krisenbotschaften der Branche gelegt wurde.

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