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Ein Rückversicherungszyklus wie aus dem Bilderbuch

1. November 2026

Dr. Marc Surminski |

Es ist ein Marktzyklus wie aus dem Bilderbuch: Kapazität im Überfluss und ein verhältnismäßig niedriges Schadenniveau lassen die Rückversicherungspreise auch zur Erneuerung 2027 weiter fallen. Trotz aller rituellen Schaukämpfe um die Deutung des Marktes in Monte Carlo und Baden-Baden ist der Trend eindeutig. Die Rückversicherer beteuern, dass sie trotzdem wachsen wollen – und zwar profitabel und zu risikoadäquaten Preisen. Am Ende wird man sehen, wer dann das ganze unprofitable Geschäft gezeichnet hat. Im Zweifelsfall immer die Anderen.

Wie weich der Markt ist, zeigt sich auch daran, dass es mittlerweile nicht mehr nur um die Preise geht. Im vergangenen Jahr hatten sich die Rückversicherer noch einigermaßen erfolgreich gegen Bedingungs- und Deckungserweiterungen gestemmt und auch das leidige Thema Aggregate- und Frequenzdeckungen unter Kontrolle gehalten. Das ist 2026 offenbar anders: Mittlerweile stoßen die Forderungen der Erstversicherer zunehmend auf offene Ohren – wenn denn die Bedingungen stimmen, heißt es. Vor einem Jahr galten diese Deckungen den meisten Rückversicherern noch als Teufelszeug.

Wie in früheren Zyklen treibt auch die Zunahme an alternativem Kapital den weichen Markt. Hier ist der Trend eindeutig: Neben NatCat rücken inzwischen auch andere Sparten in den Fokus des Kapitalmalmarkts. Haftpflicht und Cyber, lange Jahre eher als schwieriges Terrain für alternative Lösungen betrachtet, gewinnen – von sehr niedrigem Niveau aus – langsam an Bedeutung. Andererseits dürften das gestiegene allgemeine Zinsniveau auf dem Kapitalmarkt und die Überkapazität im Rückversicherungsmarkt mit dem Verfall von Margen künftig eher auch dämpfend auf den Zufluss neuen Kapitals wirken.

Der US-Investor Blackstone und Aon haben mit ihrer Broker-Facility bei Lloyd‘s kürzlich für eine neue Dimension der Nutzung von Investmentkapital gesorgt – sehr zum Entsetzen mancher traditioneller Marktteilnehmer, die von einer „spätzyklisch dummen Idee“ sprachen. Auf jeden Fall drückt das Modell zusätzlich auf die Preise, was die Rückversicherer nicht fröhlich stimmt.

Es zeichnet sich für die Zukunft eine zunehmende Vermischung von klassischen und alternativen Formen des Risikotransfers in der Rückversicherung ab: Klassische Deckung, parametrische Konzepte, beides bei Bedarf in neuen Kombinationen mit externem Kapital. Konterkariert wird diese Entwicklung allerdings durch die alte Erkenntnis, die noch in jedem weichen Markt galt: Nothing beats cheap insurance.

Traditionell werden bei einer Erneuerung im weichen Markt mit Kampfpreisen und Deckungserweiterungen die Grundlagen für den nächsten harten Markt gelegt. Offenbar arbeitet die Branche momentan gerade daran. Noch ist alles eitel Sonnenschein, und die Erstversicherer können die paradiesischen Marktbedingungen auskosten und sie sich mit entsprechenden Verträgen möglichst lange für die Zukunft sichern.

In internationaler Haftpflicht, in NatCat, Cyber und Financial Lines ist das Schadenpotenzial aktuell aber so hoch, dass es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, wenn das Pendel etwa nach einigen Großschäden zurückschwingt. Und wenn die hohen Kapitalmarktzinsen in Zukunft dazu führen werden, dass weniger alternatives Kapital in den Rückversicherungsmarkt fließt, sollte das auch zu einer Marktumkehr beitragen.

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