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Eine katastrophale Botschaft

12. Juni 2018

Dr. Marc Surminski |

Die Run-off-Pläne von Ergo und Generali erschüttern die deutsche Lebensversicherung. Dabei ist eigentlich der ganze Markt de facto bereits im Run-off, denn das klassische Garantiegeschäft wurde vielerorts schon eingestellt, und die meisten Versicherer konzentrieren sich im Neugeschäft auf alternative Produkte ohne die traditionellen Garantien. Aber die Bestände im Markt werden bisher eben meist still und in Eigenregie von den Versicherern abgewickelt, so dass die Kunden nichts davon merken.

Mit den Überlegungen zu einem externen Run-off senden die beiden Gesellschaften eine katastrophale Botschaft: Für die Kunden bedeutet es das öffentliche Eingeständnis, dass das traditionelle Geschäftsmodell der deutschen Lebensversicherung gescheitert ist. Aus Sicht der Konzernstrategen und der internationalen Analysten mag ein solcher Schritt folgerichtig sein, denn es gibt in der Tat viele gute Gründe, sich von der Last früherer Fehler zu befreien. Und es war zweifellos ein Fehler, jahrzehntelange Garantien zu geben, ohne über die dafür nötige Bedeckung in den Kapitalanlagen zu verfügen. Die heutige Managergeneration ist für diese Fehler meist nicht verantwortlich, aber sie muss jetzt schmerzhafte Entscheidungen treffen und ist dabei häufig Getriebene des Kapitalmarktes.

Aber wie soll man künftig noch langfristige Vorsorgeprodukte verkaufen, wenn gerade das Scheitern der bisherigen Produktgeneration verkündet wurde? Wie sollen die Vermittler für Vertrauen in neue Policen werben, wenn die alten gerade vom Versicherer abgestoßen werden? Zehn Mio. Verträge stehen allein bei Ergo und Generali zum Verkauf an renditehungrige Investoren – das sorgt für Untergangsstimmung in der Öffentlichkeit, obwohl Marktführer Allianz schnell erklärt hat, dass für ihn ein Verkauf von Altbeständen nicht in Frage komme. Ein stiller, interner Run-off hätte Schaden von der ganzen Branche abgewendet. In solchen Kategorien denken die Verantwortlichen natürlich weniger. Offenbar war die Not so groß und der Druck von außen so stark, dass sie keine andere Wahl hatten. Sie könnten die Entscheidung teuer bezahlen.

Für die Zukunft der Lebensversicherung bedeutet diese Entwicklung nichts Gutes: Das Neugeschäft wird noch schwerer – nicht nur bei den beiden betroffenen Gesellschaften. Die Frage nach der Kompetenz der Lebensversicherer für langfristige Altersvorsorge steht im Raum – bei den Kunden, aber auch in der Politik. Die Lebensversicherung gefährdet ihre Rolle als wichtigste private Altersvorsorgeeinrichtung. Bei der anstehenden Evaluierung des LVRG steht sie als gescheiterter Wirtschaftszweig da; bei den Plänen einer neuen Bundesregierung zur Reform der Altersvorsorge (Stichwort Deutschland-Rente) wird es für sie schwerer, im Spiel zu bleiben. Das gilt auch in der reformierten bAV, wo Garantien nicht mehr erwünscht sind, was mit Blick auf die aktuelle Run-off-Welle jetzt wie eine kluge Entscheidung aussieht.

Die Run-off-Spekulationen stören den aktuellen Umbau des Marktes und der Produktangebote. Viele Gesellschaften setzen mittlerweile auf kapitalmarktnahe Policen mit reduzierten Garantien und versuchen den sicherheitsorientierten deutschen Kunden die Botschaft nahezubringen, dass die bisherigen Garantien in diesen Kapitalmarktzeiten keine Lösung mehr für die Vorsorge sind. Die schlechten Nachrichten über ungeliebtes Altgeschäft sind da Gift. Es bleibt zu hoffen, dass sie in Zukunft nicht von noch schlechteren Nachrichten übertroffen werden: Etwa wenn die Kunden der Abwickler sich – wie vor einigen Jahren in Großbritannien geschehen – massiv über eine schlechte Behandlung durch die Run-off-Plattformen beschweren…

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