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Gemeinsam in der PKV?

15. März 2017

Dr. Marc Surminski |

Können die deutschen PKV-Unternehmen in Zukunft allein überleben, oder liegt die Zukunft in Kooperationen? Traditionell ist der Markt von Mittelständlern und Spezialisten geprägt, bis auf wenige Ausnahmen sind die Marktanteile jeweils überschaubar. Das war lange Zeit kein Problem, wenn man das Geschäft beherrschte und sauber arbeitete. Mittlerweile haben sich die Anforderungen aber geändert. Auf der Leistungsseite sind die Gesellschaften stark unter Druck geraten; außerdem drohen die nötigen Investitionen in die Digitalisierung die finanziellen Ressourcen kleinerer Unternehmen zu überfordern. Gegenüber den großen GKV-Kassen sind die privaten Krankenversicherer ohnehin Zwerge, die kaum die nötigen PS auf die Straße bringen, um etwa beim Aufbau von Gesundheitsnetzwerken auf die erforderliche Masse zu kommen.

Agierten die PKV-Gesellschaften jahrzehntelang weitgehend autonom, so hat mittlerweile ein Umdenken eingesetzt. Mit der Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zur Optimierung des Krankheitsmanagements haben Barmenia, Gothaer, Hallesche und Signal im letzten Jahr einen ersten Schritt getan. Der Zugang weiterer Partner ist ausdrücklich erwünscht. Und mit der Schaffung eines gemeinsamen Online-Portals agieren nun auch die drei Versicherer Debeka, HUK-Coburg und Concordia beim Schritt in die digitale Plattform-Welt in Kooperation.

Sie nutzen dabei ein schon bestehendes Angebot des Informationsdienstleisters KVpro.de, um ein neues, unternehmensneutrales Vergleichsportal für die private Krankenversicherung zu etablieren. Das Portal soll die Tarife der 30 führenden PKV- Anbieter vergleichen, aber dabei anders als viele Angebote im Markt kein Geschäft für Makler generieren und werbefrei arbeiten.

Die drei Versicherer hoffen, dass sich künftig weitere Gesellschaften dem Projekt anschließen. Sie sehen es als Beitrag zu mehr Transparenz in der PKV. Die Frage ist, ob eine solche unternehmensneutrale Plattform nicht eigentlich als Projekt des Verbandes besser aufgestellt wäre. Aber weil die Meinungen über den richtigen Umgang mit diesen strategischen Themen in der PKV traditionell weit auseinandergehen, scheint eine derartige Lösung wohl wenig realistisch zu sein.

Ein einzelner Versicherer hat es äußerst schwer, sich in der digitalen Kakophonie des Makler-Marketings, der diversen Ratings und Leistungsvergleiche und der manchmal unseriösen Internet-Endkundenwerbung Gehör zu verschaffen. Ein gemeinsames Auftreten verspricht hier mehr Wirkung. Ist das Portal bei den Verbrauchern etabliert, können die Versicherer darüber auch verhindern, dass die PKV ähnlich wie die Kraftfahrtversicherung von einem Online-Makler wie Check24 aufgerollt wird, der sich in die Kundenschnittstelle drängt.

Momentan mag die Bedrohungslage zumindest in der Vollversicherung noch gering sein, aber das muss nicht immer so bleiben. Mit Ottonova will demnächst ein neuer digitaler Krankenversicherer antreten, der seine Vollversicherungen nur online verkauft. Und schon heute wäre das Zusatzgeschäft gefährdet, wenn es einem populären Portal wie Check24 gelänge, sich als zentraler Marktplatz auch für dieses Produkt zu etablieren, das man bequem im Internet abschließen kann und das damit für den Angriff eines digitalen Aggregators ein lohnendes Ziel ist. Sich auf diese Veränderungen vorzubereiten und dabei auch Kooperationen einzugehen, dürfte eine kluge Idee für die PKV sein.

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