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Heißer Herbst in Kfz

8. August 2018

Dr. Marc Surminski |

Die Allianz geht mit einer Kampfansage in die Kfz-Wechselsaison: Sie will ab sofort die Basis dafür legen, dass in Zukunft die Marktführerschaft zurückerobert werden kann. Die hatten die Münchener an die HUK-Coburg verloren, die beim Preis und den Kosten die Benchmark für den deutschen Markt ist und in den letzten Jahren deutlich an der Allianz vorbeizog – unter anderem mit ihrem Online-Versicherer HUK24, einer der wenigen großen digitalen Erfolgsgeschichten im deutschen Markt.

Zurück an die Spitze will die Allianz mit einem komplett neuen Produktangebot. Vereinfachte Antragsprozesse, innovative Leistungen und Services – mit einer Vielzahl von Highlights will das Unternehmen Kunden gewinnen. So soll es künftig etwa auch für Kfz-Haftpflicht bei Eigenschäden Deckung bis zu einer bestimmten Höhe geben. Erweiterte Telematik-Angebote (auch für Fahrer über 29) und situativer Kaskoschutz mit Tagesdeckung sind in Planung. Man habe das Angebot aus Kundensicht auf Leistung optimiert, sagte Joachim Müller, Chef der Allianz Versicherung AG, kürzlich im „Versicherungsmonitor“ über den Angriffsplan in Kfz.

Das Problem: Mit mehr Leistung ist es schwer, im deutschen Markt zu wachsen. Vor allem die Preise müssen stimmen. Und da hält sich die Allianz mit Aussagen aus gutem Grund vornehm zurück. Über einen Preiskrieg hatte das Unternehmen schon in der Vergangenheit versucht, den Aufstieg der Konkurrenz aus Coburg zu bremsen – mit unschönen Folgen. Der ganze Markt steuerte damals in die roten Zahlen, und die HUK-Coburg überholte am Ende doch die Allianz.

Die Münchener müssen jetzt den Beweis liefern, dass man auch über Leistung und Service im Markt wachsen kann, nicht nur über den Preis. Auf der Kostenseite sind sie bisher klar im Nachteil gegenüber der HUK-Coburg und anderen Versicherungsvereinen, die in den letzten Jahren Marktanteile gewonnen haben. Daran wird sich trotz der aktuellen Kostensenkungsanstrengungen der Allianz so schnell nichts ändern. Innovative Leistungen und besserer Service sind zudem in der Versicherungswirtschaft schnell kopierbar, vor allem von Unternehmen, die über leistungsfähige Systeme verfügen wie die HUK-Coburg, und die aus ihrer Position der Stärke heraus abwarten können, welches Konzept am meisten Erfolg verspricht, bevor sie es umsetzen. So sind die Franken spät in den Telematik-Markt gestartet, holen hier aber schnell auf.

Ein Leistungs-und Servicewettbewerb ist gut für die Branche und gut für die Kunden. Wenn es aber am Ende dann doch um die besten Preise geht, mit denen die Allianz zurück an die Spitze kommen will, wäre das keine gute Nachricht für den deutschen Kfz-Versicherungsmarkt, der nach einigen solideren Jahren wieder eher am Rand technischer Verluste unterwegs ist. Auf den großen Vergleichsplattformen, die das Neugeschäft immer stärker dominieren, zählt ohnehin meist der Preis. Schafft die Allianz es, aus diesem Preiswettlauf auszubrechen, wäre das eine gute Nachricht für den deutschen Markt. Weil das aber unter den gegebenen Marktbedingungen kaum realistisch ist, droht wohl eher ein heißer Herbst in der Kfz-Versicherung.

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