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Hoffnung auf eine Trendwende in der Rückversicherung?

4. Mai 2018

Dr. Marc Surminski |

Steht der Rückversicherungsmarkt vor der Wende? Nach dem klassischen Lehrbuch sollte das der Fall sein. Die Schadenlasten aus der Hurrikan-Serie in der Karibik und den USA, aber auch aus dem mexikanischen Erdbeben liegen nach vorläufigen Schätzungen insgesamt bei mindestens 100 Mrd. US-Dollar. Nach etlichen sehr schadenarmen Jahren sehen einige Rückversicherer durch die Großschäden nun die Rückkehr zu höheren Preisen eingeleitet. In Baden-Baden beschwor etwa die Munich Re die globale Wirkung der Naturkatastrophen auf das Prämienniveau der Versicherungswirtschaft.

Damit wäre der klassische Zyklus zurück, der in früheren Jahren das Geschäft dominierte und längere Phasen von Prämienabschwüngen (wie bis zum WTC-Schaden 2001) mit längeren Phasen von Preisaufschwüngen (wie nach 2001 bzw. nach Katrina in 2005) kombiniert. Allerdings hat sich im Vergleich zu den klassischen Marktzyklen heute die Situation entscheidend verändert: Es steht zunehmend alternatives Kapital bereit, das die Veränderungen der Preise sehr opportunistisch nutzen kann. Und angesichts der globalen Kapitalschwemme und des Drucks auf die Anleger, mit dem Geld in Niedrigzinszeiten eine vernünftige Rendite erwirtschaften zu müssen, wird dieses Kapital auch immer umfangreicher und schneller eingesetzt, wenn die Gelegenheit günstig ist.

Und nach den historischen Sturmschäden ist die Gelegenheit günstig. Nicht nur die Rückversicherer wollen von Preiserhöhungen profitieren; auch das alternative Kapital dürfte jetzt verstärkt in den Markt drängen. Zuletzt waren die Spreads für alternative Produkte deutlich rückläufig. Jetzt gibt es hier Hoffnungen auf eine Trendwende. Die Hurrikane seien die Sirenenklänge für ILS-Kapital, brachte Willis Towers Watson die Stimmung auf den Punkt. Zwar dürften auch etliche Investoren jetzt bei den Hurrikanen und dem Erdbeben Federn gelassen und reichlich Geld verloren haben, weil die Leistungspflicht ausgelöst wurde. Aber der Appetit des Kapitalmarktes nach Überrenditen ist gewaltig, und die Möglichkeiten etwa der großen Pensionsfonds sind unendlich.

Der ungebremste, womöglich noch verstärkte Zustrom alternativen Kapitals wird die Hoffnungen der Rückversicherer auf eine Trendwende bei den Preisen verwässern. Natürlich werden die Prämien in den verwüsteten Gebieten der USA und der Karibik kräftig ansteigen. Selbst wenn die Lasten mancher Versicherer (nach bisherigen Zahlen allen voran Lloyd‘s) sehr hoch ausfallen – den ganzen Markt werden die Ereignisse aber kaum drehen können. Solange es genügend alternatives Kapital gibt, wird es keine echte Trendwende geben.

Die Rückversicherer haben in den letzten Jahren trotz der alternativen Konkurrenz prächtig verdient, weil die Schadenlasten niedrig waren. Mit der harten Rückkehr zur Schadennormalität beginnt das Leben nun, mühsamer zu werden. Die dreifache Last aus niedrigen Kapitalerträgen, hohen Schäden und starker Konkurrenz des alternativen Kapitals wird in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass die Branche von der Rückkehr der guten alten Marktzyklen wohl nur träumen kann.

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