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Kalter Krieg in K?

15. November 2018

Dr. Marc Surminski |

Kehrt der kalte Krieg in die Kraftfahrtversicherung zurück? Nach einer Phase der Entspannung mit auskömmlichen Preisen stehen nun die Zeichen wieder auf Preiswettbewerb. Wie seinerzeit bei den Supermächten USA und Sowjetunion geht es manchem Versicherer wohl darum, die Vormachtstellung zu erringen oder zu verteidigen. Dazu ist man bereit, auch größere Opfer zu bringen – in der Hoffnung, dass es sich am Ende auszahlt. Die Vernunft bleibt dabei häufig auf der Strecke, es sei denn, man betrachtet ein Gleichgewicht des Schreckens schon als vernünftige Lösung.

Nach der Übernahme der Marktführerschaft durch die HUK-Coburg und den Geländegewinnen anderer Autoversicherer wie LVM und VHV will die Allianz nun zurückschlagen. Sie setzt dabei auf eine Digitaloffensive und neue Produktkonzepte. Außerdem hofft sie als künftiger Partner des ADAC ab 2020 auf einen zusätzlichen Wachstumsschub. Ohne entsprechende Kampfpreise wäre eine solche Offensive in der extrem preissensiblen Sparte zum Scheitern verurteilt. Die Allianz Sach braucht in Deutschland aber offenbar eine Wachstumsstory. Kontinuierlich bröckelnde Bestände sind auf Dauer keine gute Botschaft für die Analysten, mögen die Erträge auch noch so gut sein. (Dieselben Analysten werden unzufrieden sein, wenn die Gewinne in Komposit zurückgehen.)

Ist dieser Krieg zu gewinnen? Die Erfahrung aus der Vergangenheit sagt: Nein. Schon früher haben die Münchener es probiert. Der Markt drehte tief in die roten Zahlen, HUK-Coburg und Co. waren nachher noch stärker als zuvor. Damals sorgten höhere Kapitalerträge immerhin dafür, dass die Versicherer sich technische Verluste eher leisten konnten. Diesen Luxus gibt es heute nicht mehr. Das Geld muss vor allem in der Technik verdient werden.

Im Gegensatz zu früheren Preiskriegen kommt heute noch die Digitalisierung als Herausforderung hinzu. Vergleichsportale wie Check 24 heizen den Wettbewerb stärker an; Telematik-Tarife sorgen für neue Zielgruppenkonzepte. Wenigfahrer werden von Startup-Autoversicherern mit attraktiven neuen Tarifen umworben, und deren Abwanderung ist schmerzlich für die Kollektive der etablierten Gesellschaften. Inzwischen schlagen auch die Rückversicherer Alarm: Schon 2018 reichen die Prämien so gerade noch für ein positives technisches Ergebnis; ab 2019 dürfte der Kfz-Markt dann wieder in den roten Bereich rutschen.

Wer kann sich das eigentlich leisten? Nach den ertragreicheren letzten Jahren mögen vielerorts genug Reserven vorhanden sein, um sie in Wachstum zu investieren und es mit einem Preiskrieg zu versuchen. Die Kostenvorteile von Gesellschaften wie der HUK-Coburg sind von den großen Aktiengesellschaften auf absehbare Zeit aber kaum aufzuholen. Und auf Sicht brauchen die Versicherer die Erträge aus Komposit, weil Leben und Kranken wegen der Niedrigzinsen weiter erheblich unter Druck stehen.

Am Ende des kalten Krieges kollabierte bekanntlich die Sowjetunion unter der großen Last des Konkurrenzkampfes mit den USA. Für die Strategen der Autoversicherer kann das aber kein realistisches Szenario sein. Totrüsten funktioniert hier nicht, Abschreckung auch nicht. In K wird es wohl ein paar Jahre mit Verlusten brauchen, um den Markt wieder zur Vernunft zu bringen.

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