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Kampf um die Quoten

15. Mai 2017

Dr. Marc Surminski |

Am 20. Mai hat das Pokerspiel um die Solvabilitätsquoten ein Ende: Dann müssen die Versicherer die Hosen herunterlassen und ihre Zahlen im Rahmen des umfangreichen SFCR (Solvency Land Financial Condition Report) veröffentlichen. Bislang wurden die Quoten nur an die Aufsicht gemeldet, die sich aber in vornehmes Schweigen hüllte und im letzten Jahr bei den Zahlen für die Solvency II-Eröffnungsbilanz nur die allgemeinen Marktwerte lieferte. Groß ist in der Fachöffentlichkeit das Interesse an den Zahlen, in erster Linie natürlich für die Lebensversicherer, die momentan mit den Altgarantien unter großem Druck stehen und für die Solvency II zahlreiche Brücken gebaut hat, damit gerade die deutschen Gesellschaften ihre Verpflichtungen erfüllen können.

Große negative Überraschungen dürften aber bei der Veröffentlichung eher nicht zu erwarten sein: BaFin und GDV gehen davon aus, dass die Quoten deutlich besser liegen als vor Jahresfrist, und dass alle Unternehmen die 100%-Hürde überspringen. „Solvency-Versager“, über die sich in der Öffentlichkeit gut spekulieren lässt, wird es also wohl nicht geben. (Zur Erinnerung: Auch eine Quote von unter 100% besagt ja nicht, dass ein Versicherer per se finanzschwach und ein Insolvenzkandidat wäre). Aber stattdessen wird nun der Vergleich der Quoten im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Auch wenn Aufsicht und GDV mit guten Argumenten davor warnen, die SCR-Quote als Wettbewerbsinstrument einzusetzen – genau das wird geschehen. Es stimmt schon: Die Werte sollten nicht überinterpretiert werden. Sie sind extrem volatil und von vielen unternehmensindividuellen Managemententscheidungen beeinflusst. Um überhaupt Vergleichbarkeit zu gewährleisten, müssen die Übergangsmaßnahmen klar kommuniziert werden. Aber wenn die Quoten aus dem europäischen Mammutprojekt Solvency II in der Welt sind, werden die Gesellschaften mit hohen Werten sie im Vertrieb einsetzen, weil sie damit Kapitalstärke demonstrieren können. Versicherer mit niedrigeren Quoten haben dann zu erklären, warum arm auch sexy sein kann. Sie müssen Kunden und Vermittler beruhigen und hoffen, dass Medien und Analysten sie nicht abstrafen.

Dabei ist momentan bei dem ganzen Hype um die Quoten noch nicht klar, was denn eigentlich eine optimale Quote für die Solvabilität ist. Wer weniger hat als der Marktschnitt, wird sich fragen lassen müssen, ob das für die langfristige Bindung des Kunden an ein Lebensversicherungsunternehmen ausreicht. Wer viel mehr hat als der Durchschnitt, wird sich fragen lassen müssen, woher denn dieser Reichtum kommt – und ob er nicht womöglich in unterdurchschnittlichen Leistungen für die Kunden seinen Ursprung hat. Sehr hohe SCR-Quoten können auch als Warnsignal angesehen werden, dass die Versicherungsnehmer hier in der Vergangenheit zu wenig am Unternehmenserfolg beteiligt wurden.

Es muss sich erst zeigen, wo der Marktschnitt bei der SCR-Quote in der Lebensversicherung liegen wird, und wo die kritischen Bereiche nach unten und nach oben beginnen. Es wird dauern, bis sich hier Marktstandards herausbilden, die auch die Veränderungen über längere Perioden abbilden. Der Kampf um die Deutungshoheit der Quoten ist jedenfalls eröffnet, und jeder Lebensversicherer muss sehen, wie er seinen Wert am besten kommuniziert, damit er in der Öffentlichkeit nicht unter die Räder kommt.

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