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Kein Jahr der Revolution

1. Januar 2017

Dr. Marc Surminski |

Revolutionen können ganz schön lange auf sich warten lassen, wenn sie die deutsche Versicherungswirtschaft betreffen. Seit einiger Zeit sagen Experten hier disruptive Veränderungen voraus – geschehen ist bislang wenig. Offenbar sind die Beharrungskräfte im deutschen Markt doch größer als angenommen. Das betrifft sowohl die Versicherer selbst als auch ihre Kunden, die sich eben nicht in so großer Masse auf die neuen digitalen Vertriebsmöglichkeiten stürzen, wie es häufig vorausgesagt wurde. Auch auf Krisenmeldungen etwa in der Lebensversicherung reagieren sie nicht so panisch, wie es manche Medienberichte nahelegen.

Die Zahlen für den Online-Direktvertrieb dürften zwar auch 2016 wieder angestiegen sein. Aber echte Durchschlagskraft entwickelt er bislang nur in der Kfz-Versicherung. Und auch dort ist der Direktvertrieb weit von einer Markteroberung entfernt, die Berater mittlerweile schon seit Jahrzehnten vorhersagen, ohne dass sie stattfindet. Nach allen Umfragen dominiert der persönliche Vertrieb überall mit weitem Abstand das Geschäft – selbst bei Standard-Kompositverträgen. Und der Beweis, dass sich das bei komplexen Vorsorgeprodukten irgendwann tatsächlich einmal ändert, muss erst noch erbracht werden.

Angesichts des medialen Trommelfeuers auf die Lebensversicherer und des bedrohlichen Abschmelzens der Zinserträge müsste eigentlich das Neugeschäft der Branche komplett zusammenbrechen. Dass sich die Lebensversicherer aber trotzdem relativ gut geschlagen haben und keinesfalls in freiem Fall ihrem Ende entgegentaumeln, zeigt, dass die Uhren im deutschen Markt wirklich anders gehen und die Versicherer weiter auf das Vertrauen der Kunden und die Überzeugungskraft der Vermittler setzen können.

Aus gutem Grund waren deutsche Autoversicherer zunächst skeptisch, was den Markterfolg von Telematik-Tarifen anbetrifft. Seit 2015 gibt es nun solche Angebote für das Massengeschäft – bislang mit eher überschaubarem Erfolg. Der heiß umkämpfte deutsche Autoversicherungsmarkt mit seinem niedrigen Prämienniveau bietet offenbar den Fahrern heute genug attraktive Möglichkeiten, so dass Telematik hier nicht so eine große Anziehungskraft hat wie in anderen Ländern. (Und auch auf mehr grundsätzliche Skepsis wegen des Datenthemas stößt.)

InsurTechs fordern die Branche zunehmend mit neuen Konzepten heraus. Bislang steht ihr tatsächlicher Erfolg aber in keinem Verhältnis zu dem vielen Investorengeld, das in diesen Markt fließt. Den Hype um neue Angebote wie den elektronischen Versicherungsordner kontern Versicherer und Makler mit eigenen Lösungen, wie sie überhaupt den Herausforderungen durch die neue Konkurrenz nach anfänglichem Zögern aktiv mit eigenen Konzepten begegnen. Insgesamt ist von markterschütternden neuen Ideen bei den Start-Ups eher wenig zu sehen. Womöglich ändert sich das, wenn 2017 mit Ottonova der erste rein digitale Krankenversicherer antritt. Aber ob er ausgerechnet den Markt der Vollversicherung revolutioniert, der wie kaum ein anderer komplex und reguliert ist und von traditionellen Vertrieben dominiert wird, ist vollkommen offen.

Revolutionäre Umwälzungen in der Versicherungswirtschaft dauern deutlich länger, als die meisten Beobachter und Newcomer erwarten. Das heißt nicht, dass es sie nicht geben kann. Aber sie brauchen Jahre, um eine immer noch ziemlich solide Branche aus den Angeln zu heben. Insofern dürfte auch 2017 kein Jahr der Revolution für die deutsche Assekuranz werden – es sei denn, die Bundestagswahl schafft eine radikal neue Lage.

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