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Sinnfrage

1. Dezember 2019

Dr. Marc Surminski |

Welchen Sinn hat ein Versicherungsunternehmen? Die Frage nach dem „Purpose“ jeder Wirtschaftstätigkeit ist momentan zu einem großen Hype geworden. Sie stellt sich nicht zuletzt deswegen, weil viele digitale Angreifer sich hehre Ziele vorgegeben haben. (Gern die revolutionäre Veränderung der Welt, wie wir sie bisher kannten.) Auch bei Google, Facebook & Co. wird gelegentlich noch der ursprüngliche Revolutionsgeist beschworen. Clever nutzen die digitalen Giganten bis heute die Fassade von Weltverbesserungsideologie mithilfe allesumfassender Kommunikation, um dahinter ihre Monopolisten-Strategien im Handel mit unseren Daten zu verbergen.

Jüngere Mitarbeiter wollen keinen Dienstwagen, sondern einen Purpose, heißt es aus den Personalabteilungen der Versicherer. Aber was könnte ein sinnstiftender Leitgedanke für ein Versicherungsunternehmen sein? Der Klassiker: glückliche, wenn nicht gar begeisterte Kunden. Alle wollen das – kann man daraus dann überhaupt noch einen speziellen Unternehmenssinn ableiten und sich irgendwie vom Wettbewerb unterscheiden? Die Marketing-Abteilungen strengen sich gewaltig an, um diesen zentralen Zweck aller Unternehmen in schöne Worte zu kleiden. „Wir sind erst zufrieden, wenn sie es sind“ gehört dabei noch eindeutig zu den besseren Ideen. Aber damit bleibt man natürlich im großen Heer der Kundenversteher aller Länder und Branchen austauschbar.

Versicherungsvereine können sich als Wahrer der Interessen ihrer Mitglieder profilieren – in der Unternehmensrealität zeigt sich das aber im deutschen Markt trotz aller Marketingbemühungen der letzen Zeit als wenig durchschlagskräftiger Ansatz. Öffentliche Versicherer können sich wie die Sparkassen als regionale Platzhirsche über das Allgemeinwohl profilieren – in der harschen Wirklichkeit des öffentlichen Finanzwesens ist das heute allerdings nicht immer so einfach. Diese beiden Purposes als Leitgedanke für große Unternehmen und alle ihre Mitarbeiter umzusetzen, ist zudem eine gewaltige Herausforderung, denn längst haben sich die Konzerne von den womöglich bei der Gründung vorhandenen Motiven abgewandt und agieren meist wie alle anderen Konkurrenten im Markt.

Die Frage ist, ob Wirtschaftsunternehmen überhaupt irgendeinen übergeordneten Sinn stiften können. Und wo man den herbekommt, wenn man bislang noch keinen hatte. Insurtechgründer können davon fabulieren, ein wenig die Welt zu retten und womöglich auch selbst daran glauben, dann glauben die Investoren es auch. Bei Old-School-Versicherern sollte man nicht versuchen, dem Unternehmen eine modische Mission zu verpassen. Im Kern geht es doch um eher simple Dinge: Für den Anteilseigner so viel Ertrag zu erwirtschaften, dass er dabeibleibt. Dem einzelnen Mitarbeiter einen sicheren, vernünftig entlohnten Arbeitsplatz zu bieten, der ehrgeizigen und kreativen Geistern zusätzlich noch die Möglichkeit gibt, selbst mehr aus ihrem Berufsleben und dem Unternehmen zu machen.

Und Kunden muss man nicht begeistern und glücklich machen. Es ist schon gut, wenn man mit ihnen fair umgeht und sich möglichst schnell und korrekt um ihre Probleme kümmert. Dazu reicht es, wenn Mitarbeiter die Kunden so behandeln, wie sie selbst gern behandelt werden würden. Und wenn dann das Management die Balance zwischen Kundeninteressen, Mitarbeiterinteressen und Gewinninteresse des Unternehmens vernünftig festlegt, so dass alle damit leben können, hat man die Sinnfrage wenig spektakulär, aber einigermaßen befriedigend beantwortet.

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