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Vom Versicherer zum „Asset-Gatherer

15. Dezember 2021

Die Allianz gibt in den USA die Risiken aus einem großen Lebensversicherungsbestand an einen Investor weiter. Das setzt viel Kapital frei und verbessert die Solvency-Quote des Konzerns um neun Prozentpunkte. Die Allianz preist den Deal als grundlegende Veränderung für das Lebensversicherungsgeschäft. Denkt man die Idee konsequent zu Ende, dann wäre es eigentlich am besten, wenn man als Versicherer überhaupt keine Versicherungsrisiken mehr übernähme. Dann hätte man eine unübertreffliche Solvenzquote und könnte sich ungestört der Kapitalanlage widmen.

Der Allianz-Chef Oliver Bäte sieht die Versicherer künftig als „Asset Gatherer“, die Vermögen ansammeln, das der Konzern verwalten kann. So hat er es auf dem Investorentag Anfang Dezember verkündet. Das Motto lautet: als Versicherer künftig weniger Risiken in den eigenen Büchern halten und dafür mehr Gewinn aus verbundenen Dienstleistungen erwirtschaften. Man wolle das Asset-Management dafür enger mit dem Lebens- und Krankengeschäft verknüpfen.

Allerdings hat sich die Allianz als Asset-Manager in den USA bekanntlich in schwere Probleme manövriert und sieht sich Milliardenklagen von Investoren wegen angeblich fehlerhafter Entscheidungen im Corona-Crash gegenüber, die inzwischen auch das US-Justizministerium untersucht. Die Probleme im US-Asset-Management, so der Eindruck, den die neuen Strategie vermittelt, sollen nun durch Manöver im Versicherungsgeschäft überdeckt werden, um Analysten zufriedenzustellen.

Bäte betonte gegenüber den Investoren, dass die Allianz mit dieser Strategie nicht an der US-Grenze Halt machen werde. Wäre das also auch eine Lösung für den deutschen Lebensversicherungsbestand? Wie in der Vergangenheit hat die Allianz auch jetzt Run-off-Pläne für ihre größte Lebensversicherungseinheit prompt dementiert. Es wäre gut, wenn es dabei bliebe.

Die Trennung vom großen Altbestand der Allianz Leben, der ja ohnehin im Bereich der Klassik und bald bei Riester im internen de-facto-Run-off ist, hätte natürlich eine gewaltige Hebelwirkung für die Kapitalquote der Allianz. Die Folgen für den deutschen Markt wären aber verheerend: Wenn sich selbst der mit Abstand größte und kapitalstärkste Lebensversicherer aus seinem Bestand zurückzieht, wäre das Image der Lebensversicherung im Allgemeinen und der Allianz im Besonderen schwer beschädigt. In den nun bei der neuen Bundesregierung anstehenden Verhandlungen über die Zukunft der Altersvorsorge bräuchten die Lebensversicherer gar nicht mehr aktiv zu werden. Auch in der bAV geriete ihre bislang dominierende Stellung ins Wanken, und viele Unternehmenskunden verstünden die Welt nicht mehr.

Warum sollten sich Kunden noch bei der Allianz versichern, wenn die eigentliche Aufgabe des Unternehmens eher die Optimierung des Investmentgeschäfts ist? Auch die Vermittler, die in den letzten Jahren ein Rekordneugeschäft für den deutschen Marktführer eingefahren haben, dürften sich diese Frage stellen. Viele Kunden fühlten sich gerade vom „sicheren Hafen“ Allianz angezogen und vertrauten dem Unternehmen gewaltige Einmalbeiträge an. Wenn man sich als Versicherer aus diesem Risiko zurückziehen sollte – nicht etwa, weil man es muss, sondern weil es mehr Ertrag bringt – dann stellte das die Kernfunktion von Versicherung als Instrument zur Übernahme existenzieller Lebensrisiken zur Disposition.

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